Willkommen!
Liebe Freunde der 67. Sommerlichen Musiktage Hitzacker,
„Exil“ lautet das Thema meines Antrittsjahres bei den Sommerlichen Musiktagen Hitzacker. Was ist Exil?
Natürlich denken wir bei dem Begriff zunächst an die aus dem deutschsprachigen Raum vertriebenen Künstler Schönberg, Weill, Brecht, Korngold oder jene, die interniert waren, wie Schulhoff und Messiaen. Sie alle sollen beim diesjährigen Festival eine Heimat finden. Aber ist Exil ausschließlich als politisch bedingter Verlust von Heimat und Zuhause definiert?
Die Britin Rebecca Saunders, bei uns Komponistin „out of residence“, hat ästhetisches Exil in Deutschland gefunden und lebt seit mehr als 20 Jahren in Berlin. Auch selbst gewählte Reduktion, Askese wie im Werk Morton Feldmans, steht dafür. Genauso kann das Spätwerk Schumanns oder Beethovens im Lichte inneren Exils erscheinen. Und unser Festspielort Hitzacker, der bis zur Grenzöffnung 1989 als Zonenrandgebiet galt, kann seine ganz eigene Geschichte zu diesem Thema erzählen.
Festival Walk und Jazzkonzert, Wiener Klassik und klassische Moderne, weniger bekannte Werke berühmter Meister (Schubert, Haydn) und musikalische Juwelen unbekannterer Komponisten (Eröd, Gál) haben ihren Platz in diesem Programm. Ein ganzer Tag wird Wien, dem Inbegriff des Zufluchtsortes für Künstler jeglicher Herkunft, gewidmet sein.
Besonders freut mich, dass wir Matthias Goerne fürs Festival gewinnen konnten: Er wird mit Schubert-Liedern die Nacht und Traumwelten als Zufluchtsorte besingen. Mit Isabelle Faust und Alexander Melnikov, Marino Formenti und der Camerata Bern seien nur einige der fantastischen Interpreten genannt, die wir in Hitzacker begrüßen.
Ich bin mir sicher, dass wir nach dieser einwöchigen musikalischen Reise den Begriff „Exil“ mit anderen Augen und Ohren wahrnehmen werden. Ich freue mich sehr, diesen Weg gemeinsam mit Ihnen zu beschreiten!
Carolin Widmann, Künstlerische Leitung
